Coronavirus

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Ausgehend von Wuhan/Provinz Hubei/China Ende 2019 hat das Virus innerhalb von zwei Wochen rund 5000 Fälle in China (28.01.2020) und Dutzende international verursacht. Die epidemische Kurve ist „eine Linkskurve“, was die weitere Beschleunigung der Verbreitung anzeigt.

Informationen zum Ausbreitungsstatus sind auf der Seite der WHO (www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/ situation-reports) , des Robert-Koch-Institutes (RKI: www.rki.de/ncov) und des Auswärtigen Amtes (www.diplo.de) zu erhalten, beim Auswärtigen Amt und der WHO ist dies eine Serie von PDF. 

Das Virus verursacht nach einer Inkubationszeit von 1-12 Tagen (RKI, WHO) Infekte der (v.a. unteren) Luftwege, von denen etwa 20% (WHO) als schwere Atemwegserkrankung (SARI) verlaufen. Daher steht nicht der Schnupfen, sondern stehen Atemnot und Husten im Vordergrund, radiologisch die Zeichen einer bilateralen Pneumonie oder eines ARDS. Leichtere und sogar afebrile Verläufe kommen vor, letztere u.a. bei Immunsupprimierten. Auf unsicherer Basis wird die Letalität gegenwärtig mit 2-4% angegeben, was unter den Werten für SARS (10%) und MERS-CoV (35%) liegt. Die WHO hat am 12.01.2020 eine als Entwurf bezeichnete klinische Leitlinie herausgegeben (www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/clinicalmanagement-of-novel-cov.pdf?sfvrsn=bc7da517_2&download=true), die auch eine Falldefinition enthält (folgt). Für Deutschland sollte man die des RKI zugrundelegen:

 

Die klinische Untersuchung setzt einen guten Selbstschutz voraus (s. RKI-Diagramm). Der Patient sollte selbst eine Maske tragen, wann immer möglich. Hoffentlich reichen Ihre

 

Vorräte an Verbrauchsmaterialien! Zur Diagnostik eignen sich Proben aus den tiefen Atemwegen (tiefes Sekret, BAL). Je nach Fragestellung und Schwere der Erkrankung sollte zumindest eine Diagnostik auf Influenza und RSV mitlaufen. Wenn Sie davon ausgehen, mit Patienten konfrontiert zu werden, klären Sie bitte rechtzeitig, welches Labor die nCoV-PCR durchführen kann, da diese aktuell vielfach erst implementiert wird. Konsiliarlabor in D ist die Virologie der Charité (Einsendeformular: www.laborberlin.com/service/formularedownload.html). Ein lokaler Ansprechpartner ist jedoch schon wegen der

Transportzeiten zu bevorzugen. Proben sind nach dem Standard P650 / UN 3373 zu versenden (Faltschachtel, flüssige Proben müssen vom beigepackten Zellstoff bei Bruch des Gefäßes komplett aufgesaugt werden!). 

 

Das klinische Management richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und dreht sich um Oxygenierung bis hin zur

Beatmung, vorsichtige Flüssigkeitsgabe, empirische Antibiose und – zumindest bis zum Vorliegen der Testergebnisse – einen Neuraminidasehemmer. 

 

Die mittelfristig größte Herausforderung wird jedoch die der Isolation von Patienten variabler Verdachtsstärke während der Laufzeit der Proben sein. Hier wird man mit Aufkommen des Verdachtes auf nCoV umgehend den Kontakt zum zuständigen Gesundheitsamt suchen und gemeinsam über die Einweisung zur Pflege unter Isolation („wie bei einer offenen Tb“) oder die häusliche Isolation unter Selbstmonitoring entscheiden. 

 

Das Auswärtige Amt hat für die Provinz Hubei eine Reisewarnung herausgegeben

(https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/chinasicherheit/ 200466#content_0). Nicht erforderliche Reisen nach China sollten verschoben werden. Mit Gesundheitskontrollen bei der Ausreise muß in China und bei Ankunft aus China gerechnet werden. Mit der Ausbreitung des Virus kann auch der Besuch anderer Länder zu solchen Kontrollen führen, hier ist die aktuelle Situation jeweils vor Reise zu klären. 

 

Zwar hat die WHO keine generelle China-Reisewarnung ausgesprochen und, etwas überraschend, den Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite nicht ausgerufen, doch muß bei dienstlichen Reisen nach China auch bedacht werden, ob chinesische Gesprächspartner anreisen können und ob Massenveranstaltungen (z.B. Handelsmessen) abgesagt werden. Viele Firmen haben aus alledem die Konsequenz gezogen, Dienstreisen nach China zunächst bis Mitte Februar auszusetzen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der ggw.

Zwangsruhe des öffentlichen Lebens in vielen Städten sind ohnehin noch nicht absehbar. 

 

Uns allen, in unterschiedlichster Funktion involviert, ein gutes Gelingen!